Es geht nicht um die Cervelat…

Da gab es letzte Woche so eine Geschichte. Am Anfang war ein Brief einer Lehrerin. Dass man doch aufeinander Rücksicht nehmen könnte beim Bräteln und vielleicht auf die Cervelat verzichten soll. Ein gut gemeinter Hinweis, der aber nach hinten los ging. Denn da kam Andreas Glarner ins Spiel. Er postete das Geschichtli auf Facebook. Natürlich nicht ganz faktengetreu, aber who cares? Und es dauerte nicht lange, bis die Trolle aus ihren tiefbraunen Löchern gekrochen kamen. Geflucht wurde da, dass die Cervelat doch unsere Nationalwurst sei, dass die Schweiz bedroht sei von der Islamisierung. Und letztendlich wurde natürlich über alle Ausländer*innen im Allgemeinen gewütet. Denn in der Nationalmannschaft gibt es ja auch keinen richtigen Schweizer mehr. Und Glarner doppelte gleich noch nach und veröffentlichte eine Klassenliste. Unverpixelt. Damit hat er gleich auch mal noch die Persönlichkeitsrechte der Kinder verletzt. 

Doch diese Geschichte ist kein Einzelfall. Jetzt im Sommerloch fällt sie einfach mehr auf. Dahinter steht jedoch die jahrelange Arbeit der Rechtskonservativen, die mit Initiativen, Vorstössen und Mediengeschichten immer radikalere Botschaften verbreiten. Und plötzlich sind rassistische Aussagen salonfähig, bei denen vor 20 Jahren alle empört aufgeschrien hätten. Denn es geht nicht um die Cervelat. Letztendlich wollen Politiker*innen wie Glarner, die laufend gegen Migrant*innen und andere Gruppierungen schiessen, vor allem eines: die Spaltung unserer Gesellschaft.

Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren. Die diskriminierten Gruppierungen müssen sich vielmehr zusammenschliessen und aufstehen. Denn jedes Mal, wenn wir schweigen bei einer rassistischen, sexistischen, homophoben Aussage, verschiebt sich der Rahmen des Möglichen, des Aussprechbaren mehr nach rechts, geben wir den Rechten Platz und legitimieren ihre Aussagen. Hass ist keine Meinung – und genau deshalb ist es unsere Pflicht, konsequent dagegen vorzugehen!

 

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